Sprachliche Mittel zur Sicherung des Textzusammenhangs: Kohäsion und Kohärenz

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Texte bestehen aus Sätzen. Natürlich gibt es weitere Gliederungseinheiten oberhalb von Sätzen. So kann man einen grösseren Text zum Beispiel in Kapitel und Abschnitte gliedern. Die Sätze sind jedoch die kleinsten Gliederungseinheiten für Texte. Was ein Text ist, scheint eine einfache Frage zu sein. Doch in der Sprachwissenschaft gibt es eine Unmenge an Definitionsversuchen. Je nachdem, was im Zentrum des Interesses steht, ist die eine oder andere Definition sinnvoll. Der Begriff "Text" ist aus dem Lateinischen "textere" = "weben, flechten" abgeleitet. Ein Text ist also ein geflochtenes Gebilde, geflochten werden Sätze zu einem Textganzen.
Den meisten Definitionen ist gemeinsam, dass ein Text ein sprachliches Gebilde ist, das in seiner Gesamtheit einen Sinn ergibt. Markus Nussbaumer (1991) hat jedoch zu Recht darauf hingewiesen, dass kein Gekritzel, keine Ansammlung von Buchstaben oder Lauten davor gefeit ist, von einem Leser oder einer Zuhörerin mit Sinn aufgeladen zu werden. So können selbst "Unsinnstexte" Sinn erhalten. Von Markus Nussbaumer stammt auch die bemerkenswerte Idee, dass Texte nicht auf dem Papier vorhanden sind, sondern in den Köpfen der Sprachbenutzer/-innen. Eine Sprachbenutzerin hat einen Text in ihrem Kopf oder entwickelt einen Text in ihrem Kopf. Sie materialisiert diesen "Text im Kopf" durch Buchstaben oder Laute, durch Wörter, Sätze ... Ist diese Materialisierung schriftlich, dann liegt eigentlich auf einem Blatt Papier oder in einer Computerdatei nur eine Ansammlung von Buchstaben, Wörtern, Sätzen vor uns. Ein Text entsteht erst wieder im Kopf eines Lesers, der diese Ansammlung von Sprachmaterial liest und dann auch interpretiert. Erst dort, im Kopf des Lesers, erhält der Text Sinn. Es ist wohl nachvollziehbar, dass der Text im Kopf der Produzentin nicht genau derselbe ist wie der Text im Kopf des Lesers. Je nachdem, wie gut die Ansammlung von Sprachmaterial auf dem Papier oder in der Computerdatei gemacht worden ist, wird der Text im Kopf des Lesers demjenigen im Kopf der Produzentin mehr oder weniger gleichen. Es geht also darum, diese Ansammlung von Sprachmaterial möglichst gut zu gestalten, dem Leser dabei zu helfen, wie er sinnvoll die einzelnen Wörter und Sätze aufeinander beziehen und Sinn daraus ableiten kann.

Auch wenn es eine Unzahl von Textdefinitionen gibt, können wir für die weiteren Überlegungen von einem allgemeinen Verständnis von Text in folgendem Sinn ausgehen (vgl. auch Blüml, 1992, S. 24 f.):
  • Ein Text ist eine gewisse Menge an gesprochener oder geschriebener Sprache, die zusammenhängend erscheint und in ihrer Gesamtheit einen Sinn ergibt. In der Regel hat ein Text einen erkennbaren Anfang und Schluss und es ist auch erkennbar, mit welcher Absicht der/die Produzent/-in den Text verfasst hat. In dem Sinn enthält der Text ein Thema, das mehr oder weniger zielstrebig verfolgt wird. (Ein Text kann natürlich auch verschiedene Themen enthalten, die zielstrebig verfolgt werden.)
Damit ist ein typischer Text umschrieben. Es gibt aber auch untypische Texte (vgl. das Hinweisschild in einem Park: "Rasen betreten verboten"), die aber in der Folge nicht im Zentrum stehen.

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Die theoretischen Erläuterungen orientieren sich an:
Blüml, Klarl (1992). Textgrammatik für die Schule. Zu einem umstrittenen Kapitel der neuen Deutschlehrpläne. Wien: Bundesverlag. Und: Nussbaumer, Markus (1991). Was Texte sind und wie sie sein sollen. Ansätze zu einer sprachwissenschafltichen Begründung eines Kriterienrasters zur Beurteilung von schriftlichen Schülertexten. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. (= Reihe Germanistische Lingusitik; Bd. 119)

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