Starke und schwache Flexionsformen von Adjektiven (Deklinationsart)

IDevice Icon

Wird ein Adjektiv attributiv oder nominalisiert verwendet, dann kann man unterscheiden, ob das entsprechende Adjektiv starke oder schwache Flexionsendungen hat:

  • Schwache Deklination: Wenn ein Begleiter dem Adjektiv vorausgeht, der Flexionsendungen hat, dann ist der Begleiter stark dekliniert und das Adjektiv bekommt schwache Endungen.
  • Starke Deklination: In allen übrigen Fällen erhält das Adjektiv starke Flexionsendungen; dies trifft auch zu, wenn gar kein Begleiter vorausgeht (dann ist das Adjektiv immer stark flektiert). Ein Begleiter hat dann keine Flexionsendungen (und ist schwach dekliniert), wenn nur der Stamm des Worts vorhanden ist:
    Ein schöner Sommer erwartet uns. -> Der Begleiter "ein" ist schwach, hat (neben dem Stamm "ein") keine Flexionsendungen, deshalb folgt ein stark flektiertes Adjektiv.
    Eine schöne Aussicht erwarte ich. -> Der Begleiter "eine" ist stark, hat (neben dem Stamm "ein") die Flexionsendung "e", deshalb folgt ein schwach flektiertes Adjektiv.
    Schöner Aussicht erfreue ich mich. -> Es hat keinen Begleiter vor dem Adjektiv, deshalb ist das Adjektiv stark flektiert.
    Der Schöne singt ein trauriges Lied. -> Der Begleiter "der" ist stark, hat (neben dem Stammbuchstaben "d") die Flexionsendung "er", deshalb folgt ein schwach flektiertes (nominalisiertes) Adjektiv.

Für Muttersprachige ist das Thema Deklinationsart kein Problem, weil wir die Deklinationsart in der Regel automatisch richtig anwenden. Sehr viel schwieriger ist das Problem für Fremdsprachige.
Es gibt für Muttersprachige eigentlich nur einen Fall, wo sie unsicher werden: Wenn mehrere stark flektierte Adjektive aufeinanderfolgen, wird oft nur das erste Adjektiv stark flektiert:
Mit bestem, reinsten (statt: reinstem) und erwartungsfrohen (statt: erwartungsfrohem) Gewissen trete ich dir gegenüber.
In gewissen Fällen ist es zwar  möglich, nach einem Adjektiv mit starker Dativendung -em die schwachen Endungen -en zu verwenden, doch das trifft nicht zu, wenn die einzelnen Adjektive - wie beim vorhergehenden Beispiel - durch Komma oder eine nebenordnende Konjunktion verbunden werden (vgl. dazu >>).

Der Unterschied zwischen starker und schwacher Deklination zeigt sich in folgenden Beispielen:

    • Starke Deklination: Endungen sind -e, -en, em, -er, -es
    •   Singular, Maskulinum Singular Femininum Singular Neutrum
      Nominativ schöner Hund schöne Sonne schönes Erlebnis
      Genitiv schönen Hundes schöner Sonne schönen Erlebnisses
      Dativ schönem Hund schöner Sonne schönem Erlebnis
      Akkusativ schönen Hund schöne Sonne schönes Erlebnis
        Plural    
      Nominativ schöne Hunde/Sonnen/Erlebnisse    
      Genitiv schöner Hunde/Sonnen/Erlebnisse    
      Dativ schönen Hunden/Sonnen/Erlebnissen    
      Akkusativ schöne Hunde/Sonnen/Erlebnisse    



  • Schwache Deklination: Endungen sind nur -e und -en:
  •   Singular, Maskulinum Singular Femininum Singular Neutrum
    Nominativ der schöne Hund die schöne Sonne das schöne Erlebnis
    Genitiv des schönen Hundes der schönen Sonne des schönen Erlebnisses
    Dativ dem schönen Hund der schönen Sonne dem schönen Erlebnis
    Akkusativ den schönen Hund die schöne Sonne das schöne Erlebnis
      Plural    
    Nominativ die schönen Hunde/Sonnen/Erlebnisse    
    Genitiv der schönen Hunde/Sonnen/Erlebnisse    
    Dativ den schönen Hunden/Sonnen/Erlebnissen    
    Akkusativ die schönen Hunde/Sonnen/Erlebnisse    


IDevice Icon

Die theoretischen Erläuterungen orientieren sich an:
Schülerduden Grammatik (2010). Die Schulgrammatik zum Nachschlagen, Lernen und Üben. 6., neu bearb. und aktualisierte Aufl. Hrsg. von der Dudenredaktion. Bearbeitet von Peter Gallmann, Maria Geipel und Anna Wagner. Mannheim u. a.: Dudenverlag.