Verb - Gebrauch

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Der Gebrauch eines Verbs ist immer festzumachen, sei das Verb konjugiert (finit) oder nicht konjugiert (infinit). Bei Verben, die wie Nomen oder Adjektive gebraucht werden, lässt man diese Bestimmung in der Regel aber weg.
Das Verb kennt vier Gebrauchsweisen (vgl. dazu auch canoo.net): 

  1. Hilfsverb
  2. Modalverb
  3. modifizierendes Verb
  4. Vollverb

Hilfsverb

sein, haben, werden

  • In erster Linie wird ein Hilfsverb bei zusammengesetzten Zeiten verwendet: Futur I, Futur II, Perfekt, Plusquamperfekt
    • ich werde lachen (Futur I)
    • du wirst gelacht haben (Futur II)
    • wir haben gelacht (Perfekt)
    • wir hatten gelacht (Plusquamperfekt)
  • Auch das Passiv wird mit einem Hilfsverb gebildet: werden (als Normalfall)
    • Aktiv: Der Hund (= Subjekt) beisst den Briefträger (= Objekt).
    • Passiv: Objekt wird zum Subjekt
      Der Briefträger (= Subjekt) wird vom Hund gebissen.
  • In Verbindung mit einem Vollverb muss das Hilfsverb nicht speziell ausgewiesen werden, weil mit der Angabe des Tempus oder der Handlungsrichtung schon gesagt wird, dass ein Hilfsverb nötig ist, damit man die jeweilige Form bilden kann.
    • du hast gelacht: Vollverb, Perfekt, Aktiv...
    • er wird ... gebissen: Vollverb, Präsens, Passiv, ...
  • Die Verben sein, haben, werden können auch als Vollverben gebraucht werden:
    • Du hast sie wohl nicht mehr alle!
    • Wir sind hier.
    • Er wird krank.

Modalverb

wollen, sollen, müssen, dürfen, können, mögen

  • Die Modalverben verbinden sich mit dem Infinitiv eines Vollverbs.
  • Das nachfolgende Vollverb trägt immer noch die Kernaussage, wird aber vom vorausgehenden Modalverb in seiner Aussagekraft beeinflusst; die Rolle des Subjekts wird dann genauer beleuchtet:
    • Ich kann kommen.
      Die Hauptaussage liegt auf dem Wort „kommen“, das „kann“ weist darauf hin, dass das Subjekt „ich“ die Möglichkeit, Fähigkeit hat zu kommen.

Modifizierendes Verb

vermögen, pflegen, scheinen, versprechen, drohen, haben, ...

  • Das modifizierende Verb verbindet sich mit dem Infinitiv eines nachfolgenden Vollverbs, wobei der Infinitiv mit „zu“ eingeleitet wird.
  • Modifizierende Verben haben dieselbe Funktion wie die Modalverben: Sie beeinflussen die auf dem Vollverb liegende Kernaussage:
    • Er vermag/pflegt/scheint/verspricht/droht/hat zu kommen.

Vollverb

Wird ein Verb weder als Hilfs- noch als Modalverb oder modifizierendes Verb gebraucht, ist es ein Vollverb.

  • Wenn ein Vollverb in einem Satz konkret verwendet wird, kann man entscheiden, ob es ein transitives Verb ist oder ein intransitives (vgl. dazu auch canoo.net):
    • Transitiv: Das Vollverb verlangt eine Wortgruppe im Akkusativ (Akkusativobjekt):
      • Sie kaufen einen Ball (= Wortgruppe im Akkusativ, Akkusativobjekt: Wen kaufen sie? Einen Ball.)
      • Der einen Ball kaufende Mann steht an der Kasse. (Das wie ein Adjektiv verwendete Vollverb „kaufende“ verlangt die Akkusativwortgruppe „einen Ball“; „kaufende“ ist demnach transitiv. Das zweite Vollverb im Satz („steht“) ist intransitiv, weil es keine Akkusativwortgruppe verlangt.)
    • Intransitiv: Dem Vollverb folgt keine Akkusativwortgruppe:
      • Ich gehe nach Hause. (= Wen gehe ich???? Ungrammatisch!)
      • Der gehende Mann ist schon alt. (Das wie ein Adjektiv verwendete Vollverb „gehende“ verlangt keine Akkusativwortgruppe und ist demnach intransitiv. Das zweite Vollverb im Satz („ist“) ist ebenfalls intransitiv, weil es keine Akkusativwortgruppe verlangt.)
    • Viele Verben können sowohl transitiv als auch intransitiv gebraucht werden:
      Ich stürze auf den Boden (= intransitiv).
      Ich stürze das Getränk hinunter (= transitiv)
  • Ein Vollverb kann mit einem Reflexivpronomen verwendet werden, dann ist es ein reflexives Verb (vgl. dazu auch canoo.net). Das Reflexivpronomen bezieht sich auf das Subjekt:
    • Ich beeile mich. (= sich beeilen)
      Kann man das Reflexivpronomen nicht durch ein Nomen ersetzen, ist es ein echt reflexives Verb, kann man es durch ein Nomen ersetzen, ist es ein unecht reflexives Verb. In beiden Fällen sprechen wir aber von reflexiven Verben.
    • Ich beeile mich. Ich beeile den Hauswart??? (grammatisch nicht möglich)
      = echt reflexives Verb
    • Ich wasche mich. Ich wasche den Hund. (Ersatz mit Nomen möglich)
      = unecht reflexives Verb
  • Ein Verb kann sowohl transitiv als auch intransitiv sein, je nach Auftreten im Satz:
    • Ich kaufte ein. (= intransitiv)
    • Ich kaufte Brot ein. (Wen oder was kaufte ich ein? = transitiv)
  • Ein Verb kann sowohl transitiv als auch reflexiv sein. Neben dem Reflexivpronomen im Dativ folgt dann noch ein Akkusativobjekt:
    • Ich wasche mir die Hände.
      Wen oder was wasche ich mir? Die Hände. = transitiv
      ich ... mir: Bezug Reflexivpronomen auf Subjekt; sich waschen = reflexiv
  • Ein reflexives Verb, dessen Reflexivpronomen im Akkusativ steht, wird nur als reflexives Verb und nicht zusätzlich als transitives bezeichnet:
    • Ich beeile mich.
      = reflexiv, mich steht im Akkusativ, Bezeichnung transitiv wird weggelassen, da sie schon durch die Bezeichnung reflexiv abgedeckt ist.

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Die theoretischen Erläuterungen orientieren sich an:
Schülerduden Grammatik (2010). Die Schulgrammatik zum Nachschlagen, Lernen und Üben. 6., neu bearb. und aktualisierte Aufl. Hrsg. von der Dudenredaktion. Bearbeitet von Peter Gallmann, Maria Geipel und Anna Wagner. Mannheim u. a.: Dudenverlag.

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